"It's time to make someone happy - start with yourself!"

„It’s time to make someone happy – start with yourself!“

Die ganzen letzten Tage war ich mir nicht einig – schreib ich was über #regrettingmotherhood oder halte ich mich aus der Diskussion raus? Wie ihr seht hab ich mich für erstere Variante entschieden…

Erst einmal finde ich es krass, wie schnell und unsensibel andere über die Frauen urteilen, die ausdrücken, dass sie bereuen, Kinder bekommen zu haben. Eine der unschönsten Aussagen, die ich in meinen Sozialen Netzwerken gelesen habe, war: „Ich bin froh, dass ich nicht eine solche Frau in meinem Freundeskreis habe.“ 

Zunächst einmal zeugt diese Aussage nicht wirklich von Freundschaft. Ein Freund ist, wer den anderen so annimmt wie er ist, ihn unterstützt und durchs Leben begleitet. Natürlich ist es schön, in der Freundschaft ähnliche Wertevorstellung zu haben oder ähnliche Ansichten zu teilen – sonst wäre man wohl auch nicht befreundet. Aber nicht zu allen Themen liegen der Wertekanon und die Vorstellungen von zwei Menschen passgenau über einander. Das gilt auch – und insbesondere – für Mutter- oder Elternschaft. Wenn ich mich allein nur umschaue, wie diese in meinem Freundeskreis gelebt wird, gibt es schon sehr unterschiedliche Ansätze. Von „ich bleibe komplett seit vielen Jahren bei meinen Kindern zu Hause“ bis hinzu „ich arbeite Vollzeit mit einem oder mehreren Kindern“ ist alles dabei. Und diese Vielfalt finde ich gut.  Urteile ich über andere und deren Modell? Nein! Bei meiner Familie und Freunde stelle ich aber durchaus die Frage, ob es einer Person mit der jetzigen Situation gut geht oder ob sie Unausgeglichenheit und Unzufriedenheit etwas ändern möchte. Und dann reden wir auch über diese Themen – zusammen und nicht hinter dem Rücken der Person. So finden Menschen vielleicht Lösungen für Veränderungen, die ihnen gut tun. Das Leben ist nämlich „free floating“ und nicht in Stein gemeisselt. Und selbstbestimmte Veränderungen sind notwendig, eben damit Menschen im Nachhinein nicht ihr Leben oder Teile ihres Lebens bereuen müssen – und dazu gehören auch Kinder.

Nun kann man ja fast alles im Leben ändern, wenn man möchte. Neben bleibenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und anderen wenigen Dingen gehört „Kinder zu haben“ nun mal nicht dazu. Die Kunst des Lebens ist es, Dinge die nicht veränderbar sind, gelassen anzunehmen. Dazu sollte auch Elternschaft gehören. Leider ist es so, dass Gelassenheit mit Kindern vielen oft sehr schwer fällt: die Kinder wissen nämlich oft, wo der Triggerpunkt der Eltern liegt. Und das Leben wird auch nicht immer einfacher mit Kindern.

Es gibt allerdings viele Hilfsmittel, zu Gelassenheit und auch geistiger Zufriedenheit zu finden – auch in wierigen Umständen. Achtsamkeitstraing, Meditation und einige Yogastile gehören dazu. Lesenswerte Buchempfehlungen sind etwa Jon Kabat-Zinn: Mit Kindern wachsen oder Thich Nath Hanh: Achtsamkeit mit Kindern. 

Darüber hinaus kann die Umgebung helfen, gelassener und zufriedener mit der Elternschaft zu werden. Unterstützung anbieten, vorurteilfreies Annehmen, Freiräume schaffen und Respektieren von Lebensmodellen gehören definitiv dazu. Wenn wir aber in Gesellschaften leben (die Regretting Motherhood-Studie kam ja aus Israel), in denen dringende Hilfen verwehrt bleiben, Eltern eher Kritik und Ausgrenzung erleben und zu hohe Idealansprüche vor allem an Mütter gerichtet sind, dann wird es für manche um so schwieriger. So wird ja derzeit in Deutschland der Zugang für (werdende) Eltern an vorgeburtlicher, geburtlicher und nachgeburtlicher Unterstützung durch das politisch gestützte Hebammensterben stark limitiert. Wehret den Anfängen – das gilt hier wohl nicht. Und insbesondere Mütter, die andere Lebensmodelle ausserhalb des genormten gesellschaftlichen Erwartungen leben, geraten immer wieder an unangeforderte Kritiker.

Freiräume schaffen ist für viele ebenfalls ein schwieriges Thema. Einmal weil Unterstützung (auch vom Partner) nicht immer da ist, vor allem aber weil die Schranken und Stimmen im Kopf manch eine Frau limitieren. „Du kannst dein Kind nicht abgeben, das braucht dich“, „bin ich eigentlich eine gute Mutter, wenn ich jetzt nur mal an mich denke?“ etc… 

Genau diese negativen Gedankenströme gilt es durch positive Affirmatione zu ersetzen. Meine Lieblinge sind:

„Kein glückliches Kind ohne Glückliche Mutter/Eltern“ – also mach was du brauchst – für dich. Und auch ein Partner/Großpapa/Babysitter wird das Kind schon mit Milch, Essen, Trost etc. versorgen können. Ich hatte ein sooo schlechtes Gewissen drei Wochen nach der Geburt meines ersten Kindes ihn bei Papa zu lassen und zu meiner Yogaklasse zu gehen. Und was war? danach war ich tiefenentspannt und voller Freude und Energie für mein Kind. Das dann auch wieder glücklicher war. Und wenn es so wie bei mir/uns eine vierwöchige Ausbildung fernab der Familie ist oder eine gemeisame Weltreise mit zwei kleine. Kindern, was einem gut tut: einfach machen. Weil es egal ist, was die anderen sagen. „Du lebst dein Leben!“ 

Weitere Affirmationen, die schön sind: „Ein Kind braucht ein ganzes Dorf“ – Mama allein kann nicht alles am besten. Wenn ich sehe wie meine Kids ihren Oma-Nachmittag lieben mit lauter Sachen, die wir nicht mit ihnen machen oder die Großeltern einfach besser können, dann ist das toll zu sehen. Und ich kann ruhigen Gewissens länger arbeiten, zum Sport gehen oder andere Dinge für mich geniessen.

„Denk an Dich und deine Bedürfnisse“ – ich hab letztens einen beeindruckenden Artikel über Mutter mit vier Söhnen gelesen, zwei davon schwerbehindert. Sie sagte – so in etwa – Mamas täglicher Sport ist kein zusätzliches Goodie sondern Grundvoraussetzung für den Alltag. Das hat sie bei allen durchgesetzt. Richtig so… Wer soll wissen, wie es in deinem Inneren aussieht, wenn nicht du? Und nur du kannst deine Bedürfnisse auch ausdrücken und umsetzen. Vergiss einfach, dass andere das schon richtig erraten. Selbst die große Liebe kann das nicht (viellecht besser als andere, aber eben auch nicht immer). 

It’s time to make someone happy – start with yourself!  (Und danach sind Partner, Kinder und die ganze Welt dran – dann hast du auch die Energie dafür!)

Und im Übrigen: es ist schade, etwas im Leben zu bereuen, vor allem Kinder. „Je ne regrette rien“, aus yogischer (und Edith Piafs) Sicht bietet das Leben so viele schöne Dinge, Probleme und Herausforderungen, an denen man als Seele reifen darf. Sie gehören dazu – zu diesem Leben, zum Hier und Jetzt. Dennoch: auch wer bereut, der gehört dazu. Und muss ebenso von anderen eingebunden, umarmt und angenommen werden! Denn das ist das, was hilft!