Puffermutter

Entstresse dein Leben! Eigentlich erste Ansage – vor allem aber auch an arbeitende Eltern. Denn wie schon beschrieben, sind eigentlich immer die Übergänge zwischen der einen oder anderen Rolle die stressigen Momente des Tages. Nun gibt es ja gute Ratgeber und Yogalehrer wie mich, die ganz einfach raten: „Bau dir Puffer ein“. Sprich – lieber eine halbe Stunde früher aus dem Büro und entspannt im Kindergarten ankommen. Stau? Egal – ist ja Zeit. Oder das notwendige Einkaufen erledigen, bevor das übermüdete und hungrige Trotzkind aus der Kita abgeholt werden muss. Den ersten Termin in der Firma nicht vor neun Uhr legen, wenn man an dem Tag die Kids wegbringt. Oder zwischen Sport und Verabredung noch etwas Luft einplanen.
Eigentlich eine gute Idee. Schliesslich können wir Eltern das ja ganz gut, die Puffer einbauen. Das lernt man spätestens bis vier Monate nach der Geburt. Schliesslich sollte man immer (!) mit Säugling mindestens eine halbe Stunde Puffer einbauen, um irgendwo hinzukommen. Komplette Schieterattacken, plötzliche Hungeranfälle etc. sind ja schliesslich nicht aufschiebbar. Und über eine Freundin hab ich schon mitbekommen, dass so manche Kinderärzte da auch kein Erbarmen kennen, wenn du zu spät bist zum Termin und dich dann mit Neugeborenem auch mal in den nächsten freien Slot schieben – leider erst zwei Stunden später. Also, die Lernkurve ist steil, wenn man so wie ich ein gewisses inneres Bedürfnis haben, nicht zu spät zu kommen.
Wenn nur das Wörtchen „Eigentlich“ nicht wär. Den egal wieviel ich plane, meditiere, mich entspannt durch den Tag bewege: Puffer? Vergiss es! Mal klappt das heere Ziel, meist nicht. Ob überzogene Telefonmeetings, Staus, dringende Arbeiten, Kinder, die morgens einfach mehr Zeit brauchen, durchgeschieterte Windeln im Schneeanzug kurz vorm Losgehen- die Puffer sind schneller aufgebraucht, als dass ich Piep sagen kann.
Ich gebe den Rat Puffer einzubauen also gerne weiter – und arbeite einfach weiterhin, ihn selbst zu meistern 😉