Auf Dich achten - Sport nach einem langen Arbeitstag

Auf Dich achten – Sport nach einem langen Arbeitstag

„Pass auf dich auf“ waren die Worte meiner Chefin in den Feierabend nach einem langen Arbeitstag. Und wo sie recht, hat sie recht. Zurzeit husten und schniefen alle um einen herum, den Kindern läuft die Rotznase und der ewigwiederkehrende Jahresendspurt geht trotz guter Vorhaben auch meist nicht spurlos an einem vorrüber. Mich hat es mit einer leichten Nasennebenhöhlenentzündung und einem – mit Kind – verhobenem Rücken am Anfang der Woche gleich zweifach erwischt. Gott (und den magischen Händen meiner wunderbaren Osteopathin) sei Dank ging es mir schnell wieder besser. Meine Yogamatte im Büro sorgt zwar für schmunzelnde Gesichter bei den Kollegen, kurze Dehn- und Entlastungsübungen helfen mir aber überhaupt wieder länger schmerzfrei am Schreibtisch arbeiten zu können. Ja, auch regelmäßiges Yoga hilft bei dämlichen, unfreundlich ausgeführten Bewegungen nicht vor solchen Beschwerden.

Generell ist es ja nicht so einfach, wenn man mitten im Beruf steht, sich abends nach einem langen Tag noch zum Sport aufzuraffen (Morgensportler sind ja doch sehr rar gesät). Dabei haben in einer neuen Studie Forscher am Stockholmer Karolinska Institutet herausgefunden, dass Sport Stress abbaut – und zwar durch ein von gut trainierten Muskeln produziertes Enzym, dass stressbedingte Schadstoffe im Körper abbaut. Schade, dass Wissen nicht immer den Schweinehund besiegt 😜

Für (berufstätige) Eltern wird es nicht einfacher – schliesslich möchte man die Kinder ja auch noch mal irgendwann sehen und vor allem Zeit mit ihnen verbringen. Und dennoch plädiere ich dafür, dabei nicht nur die Bedürfnisse der Kinder zu sehen, sondern auch die eigenen. Wer soll es denn sonst tun, wenn man nicht selbst? Der Partner, der Chef, die eigene Mama? Machen sie ja auch mal, wenn es gut läuft und man Glück hatte in der Auswahl. Aber dich und deine eigenen Bedürfnisse wahrhaftig zu sehen und auch anzunehmen, das kannst nur du selbst.

Ich finde ja, der beste, aber auch der am schwierigsten umzusetzende Tipp an frischgebackene Mütter ist: „Achte bitte auch auf dich selbst!“ Kinder machen es in ihrer Grundkonstruktion zu Lebensbeginn nämlich leider sehr schwer, genau dies umzusetzen. Allerdings wachsen die Zwerge ja auch und können später gut und gerne mal ein Abend auf Mama oder Papa verzichten. Denn ohne glückliche Eltern gibt es eins nicht: glückliche Kinder. Eine gesunde Portion Egoismus tut hier mal ganz gut.

Für mich ist Sport der ideale Ausgleich und dafür gehe ich schon zwei bis dreimal zum Yoga ins Studio in der Woche. Bis zur Geburt von Kiddie Zwo war ich auch noch jeden Morgen zu Hause auf der Matte um halb sechs, aber momentan lässt das Kind mich nicht morgens aufstehen ohne mitaufzuwachen und die anderen dann auch aufzuwecken. Also bleibt nur Yoga am Abend oder Wochenende im Studio. Da es dort zurzeit eine Acht-Wochen-Challenge gibt, lasse ich mir fleissig für jede Training einen Aufkleber ins Heft verpassen und hab so erstaunt festgestellt, dass ich in etwas mehr als in einem Monat bereits 15 Mal da war (davon übrigens zweimal zusammen mit den Kindern zum Schwimmen und häufiger mal abends noch nach dem Zubettbringen). Das zeigt mir auch, dass ich mein Bedürfnis nach Sport trotz Kids, Vollzeitjob und Ehrenämtern wichtig nehme.

So, dass heisst jetzt nicht, dass jeder unbedingt abends ins Fitnessstudio abends muss. Denn für jeden bedeutet ausgleichende Bewegung etwas anderes – spazieren gehen (geht auch mit Kind im Schlafanzug im Wagen nach dem Abendessen – wer sagt denn, dass sie immer im Bett einschlafen müssen), Fahrrad fahren im Alltag oder die Segel setzen auf der Alster. Wenn es einem wichtig ist und es sich leisten kann, dann darf man auch den Babysitter für einen Sportabend bestellen oder sich mit eigener Matte und Fernseher (wahlweise Wii, Youtube, Online-Studios oder DVD) im Wohnzimmer bewegen, wenn die Kiddies schlafen.

Ich hab mich nach meinem Arbeitstag heute extrem platt gefühlt und so gar nicht nach Sport. Ich bin dann aber – gesundheitssituationsangepasst für mich sehr wenig – ein paar Bahnen vorsichtig geschwommen und hab danach länger noch im Dampfbad und Salzraum Atemwege und Rücken entspannt. Und hab natürlich mir immer wieder mal kurz die Frage gestellt, ob es jetzt nicht besser wäre, zu Hause zu sein bei den Kids, da ich sie wahrscheinlich nicht mehr wach sehen würde. Mein Körper dankte mir die Auszeit jedoch mit einem erstmals schmerzfreien Iliosakralgelenk seit Tagen und freier Nase. Und oh Wunder – die Kids waren noch wach und ich durfte vorlesen und sie ins Bett kuscheln. War Win-Win-Abend. Und morgen gehen wir vier alle zusammen im Studio schwimmen (das geht in unserem Club) – da freu ich mich schon drauf.

Einen schönen Artikel zum Thema Sport mit Kleinkindern in der Familie und die wichtige Vorbildfunktion von Eltern hat Fit for Fun veröffentlicht:

fit for fun: Fit mit Babyjogger

Und mein Tipp: im Dezember sind die Sportstudios und Kurse schön leer, bevor in Januar wieder für vier bis sechs Wochen sich übermotiviert auf die Füße treten…

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