Die wirtschaftsschwächende Frauenquote?

Ich hab diesen Herbst ja selten so sarkstisch aufgelacht, als in dem Moment, in dem ich den Vorschlag der CSU hörte, doch bitte die Frauenquote auszusetzen wegen der schwächelnden Wirtschaft. Moment mal, ist das das CSU-Frauenbild? Sind Frauen – immerhin die Hälfte der Bevölkerung dieses Landes – etwa eine Belastung für die Wirtschaft? Auch die gut ausgebildeten, studierten Führungskräfte? Oder die Frauen, die abends um 22 Uhr noch die letzten herbeieilenden Kunden in unserem Supermarkt um die Ecke bedienen? In meinem norddeutsch angefärbten Bayrisch hätte ich jetzt gesagt: Ja, spinnt’s ihr jetza da völlig?

Ich bin für die Frauenquote! Und ich weiss auch warum: Weil wir unser Denken verändern müssen. Hat ja beim anfangs umstrittenen Elterngeld auch geklappt, wenn man mal den Herdprämienrückschritt außer Acht lässt. Wenn Frauen im gebärfähigen Alter (immerhin ein Großteil des Erwerbslebens) eine „potenzielle Gefahr“ darstellen, hochqualifizierte „Teilzeitmamis mit 30 Stunden“ monatelang keine Job finden oder ja nur „ein bisschen arbeiten wollen – vielleicht als Mädchen für alles“ oder bereits als schwangere Produktmanagerin von ihrem Arbeitgeber gemobbt werden und das nach der Rückkehr aus der Elternzeit noch schlimmer weitergeht, dann stimmt doch da was nicht. Nein, das ist mir nicht selbst passiert, aber um mich herum. Manche Hamburger Unternehmen haben sich in meinem Hirn so schon mal disqualifiziert. Viele meiner Freundinnen und Bekannten sind hervorragend ausgebildete, erfolgreiche Frauen, die arbeiten wollen. Und die nicht gelassen werden.

Denn hej, da müsste man ja managen. Und zwar nicht nur ein gleichtickendes Anwesenheitsteam, sondern virtuelle, teils Teilzeitteams mit unterschiedlichen Lebensentwürfen.
Uiui, jetzt wird es schwer als Führungskraft. Och nee, dann lieber nicht. Und dem Mann in meiner Abteilung, der zwei Monate „Kinderurlaub“ machen will, verbiete ich das auch gleich mal. Ach wie, liebe Personalabteilung, der Anspruch auf Elternzeit ist gesetzlich verankert? Naja, dann bau ich mal ein Droh- und Schreckensszenario auf, damit der Hirni den Antrag zurückzieht und bloß kein anderer meiner Leistungsträger auf so depperte Ideen kommt. Klingt übertrieben?

Das ist leider immer noch Realität in vielen Firmen, auch im doch relativ modernen Hamburg.

Und genau deswegen bin ich für diese Quote, die eigentlich nicht sein müsste wegen der Selbstverständlichkeit, dass einfach die Besten die Jobs bekommen. Bekommt aber nur die eine Hälfte nicht, da sie ja gar nicht mehr zurück auf den Weg oder die Treppe nach oben gelassen werden. Und damit das nicht länger passiert, werden jetzt halt ein paar Quoten-Glitzersterne oben ans Ende der Treppe gehängt – damit unten die beschränkten Schranken nicht mehr vehement geschlossen bleiben… Und keine Sorge, die Frauen, die es nach oben schaffen, haben sicher sehr viel in der Birne, sei es Kompetenz, Erfahrung, Wissen, Flexibilität und Durchhaltevermögen. Denn sonst hätten sie es bei allen Widerständen nicht so weit geschafft.

Meine Lieblings-Lesestoffe zum Thema diese Woche:

Handelsblatt: Frauen – alle sind dafür, keiner hat sie

Die Zeit: „Böses Erwachen“

Und von der satirischen Seite beleuchtet:
Der Postillon: Einfach umoperieren?