NOCH nicht - die positive innere Stimme

NOCH nicht – die positive innere Stimme

Jammerlappen nerven. Mich zumindest. Nur das Problem, das Negative sehen. Und meine Stimmung dann gleich mit runterziehen wollen. Oh nein! Das ist ganz schön anstrengend, sich mit positiver Energie dagegen zu stemmen. Selbst Ignorieren ist bei schlechter Stimmung um einen herum nicht immer leicht – zumindest wenn man jemand sensibel auf Atmosphären im Raum reagiert. Zwar kann man einigen dieser Energieräuber aus dem Weg gehen, aber in Situationen in Beruf und Familie ist dies eben auch nicht immer möglich. 
Es ist also reiner Selbstschutz :-), unsere Kinder im positiven Denken zu unterstützen. Damit sie vielleicht Menschen werden, die eine Lösung finden anstatt sich im Problem zu wälzen. Die an das Positive glauben und mit Zuversicht an Dinge herangehen. Die ihre Selbstwirksamkeit spüren und daran weiter wachsen. 

Der weltbeste Mann der Welt und ich nutzen schon lange ein paar Tricks mit Kind1 und Kind2. Einer davon ist „Noch nicht“. Wenn folgender Lieblingssatz durch das Zimmer wutentbrannt durchs Zimmer geschleudert wird – und das verursachende Corpus Delicti am besten gleich mit ;-): „ICH KANN DAS NICHT!“. 

Unsere Kinder haben halt wie viele andere auch einen gewissen Ehrgeiz. Am besten alles und sofort können. Und eine noch wachsende Frustrationstoleranz. Meist kommt von uns, neben aktivem Sehen und – wenn zugelassen – dicken Umarmern, ein „NOCH nicht“ hinterhergeschoben. „Du kannst es NOCH nicht!“ 

Die innere Stimme im Kopf eines Kindes wächst mit den Lebensjahren. Und die Glaubenssätze und das Denkbild werden ebenfalls in der Kindheit geprägt. Wieviele von uns sind durch mit Sätzen im eigenen Kopf beeinflusst, die negativ geprägt sind? Und erst mit viel Reflexion, Meditation und aktiver Denkarbeit können wir später Muster erkennen und unterbrechen.Ein schönes Zitat von Peggy O’Mara lautet: „Die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, wird zu ihrer inneren Stimme.“ 

Es ist also ein wirksames Mittel, die Aufmerksamkeit weg von dem Problem zur Lösung zu ziehen beziehungsweise mit „noch nicht“ dem Ziel zuzuwenden.

Das ganze funktioniert übrigens auch bestens mit Erwachsenen. Vielleicht nicht immer ganz so leicht – aber es wirkt. Ein kleiner Test: Was empfindest du, wenn du die folgenden beiden Sätze hörst?

„Die ganze Truppe arbeitet immer viel zu schludrig.“

„Die ganze Truppe könnte ordentlicher arbeiten.“

Nimm Dir Zeit in die hinein zuhören und nachzufühlen. Die Situation pro Satz dir vorzustellen und in die Zukunft weiterzuspinnen. Den Unterschied zwischen beiden Sätzen zu spüren.

Wir können aktiv jemanden zuhören und dabei auch daran arbeiten herauszufinden, was hinter der Klage des Gegenüber steckt. Es ist auch bei Erwachsenen okay, wenn wir einen „Problemsatz“ in Frageform als „Lösungsfrage“ zurückspiegeln. Schön ist es dabei eben die zeitliche Schleife einzubauen „bisher, noch nicht, in der Vergangenheit“ und Lösungen zu formulieren „Fühlst du dich also noch nicht beachtet?“ anstatt „Fühlst du dich ignoriert?“. Meist hilft dies unserem Gegenüber, sich mit seiner Energie auf die Lösung zu richten. 

Übrigens hat „Noch nicht“ beim Kind1 mittlerweile tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass es so schon mit unserem grad sehr ehrgeizigen und sich in der Autonomiephase befindenden Kind2 redet: „Nein, du kannst das NOCH nicht. Komm ich zeig es dir und dann übst du!“ 

Nein, auch selbst durfte ich schon ums Eck lauschen (derzeit lernt Kind1 Heely fahren – diese Schuhe mit Rollen drunter, kein leichtes Unterfangen), wenn es laut denkt: „Ach, das geht noch nicht. Das üb ich noch.“ 

Wie schön, einer solchen inneren Stimme zu lauschen.